Der Verein Freiraum möchte Gebäude am See von den Itzehoer Stadtwerken kaufen, doch die haben bisher abgelehnt.

Viele Gedanken haben sie sich gemacht. In einem gut 20-seitigen Nutzungskonzept hat der Verein Freiraum zusammengetragen, warum er das Gebäude an der kleinen Tonkuhle kaufen möchte, das sich derzeit noch im Eigentum der Stadtwerke befindet. Wie berichtet, hatte der Mieter, der Itzehoer Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (Awo), den Mietvertrag mit dem Energieversorger zum 31. März 2018 gekündigt. 60 Jahre lang hatte die Awo die Stadtranderholung mit einer Kinderbetreuung in den Sommerferien an der kleinen Tonkuhle organisiert. Die Stadtwerke hatten das Gebäude der Awo zum Kauf angeboten, die allerdings ablehnte. Daraufhin brachte sich der Verein Freiraum ins Gespräch, der als kooperativer Partner und Untermieter der Awo bereits seit März 2015 ebenfalls Räume des Gebäudes nutzt.
„Wir haben uns damit auseinandergesetzt, was das Gebäude hergibt, was wir umsetzen wollen und was möglich ist“, sagt Marten Becker von Freiraum. Der Verein, der seit etwa zehn Jahren besteht, setzt sich für unabhängige und selbstverwaltete Jugendkulturarbeit in Itzehoe ein. Man wolle auch eine Alternative zum Haus der Jugend sein, die Mitglieder im Verein sind zwischen „16 und Ende 40“, wie Becker es beschreibt. „Die Stadt braucht dieses Angebot, da es das in der Form sonst nicht gibt.“ Außerdem will der Verein die Stadtranderholung wieder aufleben lassen. „Die Nachfrage ist da“, sagt Becker. „Und der Wegfall würde insbesondere sozial benachteiligte Familien und Kinder treffen.“
Zusätzlich zu Freizeitveranstaltungen wolle man auch das historische Gebäude erhalten. „Bei unserem Einzug merkte man dem Gebäude die Nutzung von lediglich vier Wochen im Jahr an“, so Becker. Es brauche viel ehrenamtliche Arbeit, Gebäude und Gelände ganzjährig und für alle Zwecke nutzbar zu machen. 1962 hatte die Awo es vom Schwimmverein übernommen – ebenfalls unter der Auflage, es in Stand zuhalten.

Ob es aber überhaupt zu einem Kaufvertrag mit Freiraum kommt, ist ungewiss. „Ich würde mich sehr freuen, wenn der Verein seine Arbeit fortführen kann“, sagt Bürgermeister Andreas Koeppen, der mit Freiraum im Gespräch ist, auf Nachfrage. „Wir versuchen, zu tun, was wir tun können. Aber es sind noch einige Hindernisse im Weg.“ Auch wenn man sich bemühe, eine Lösung zu finden – er wolle dem Verein nicht zu viel Hoffnung machen, sagt der Bürgermeister.
Nachdem die rund 30 Mitglieder von Freiraum ihr Nutzungskonzept im Sommer gemeinsam ausgearbeitet hatten, waren sie mit mehreren Politikern verschiedener Parteien ins Gespräch gekommen. „Von denen haben wir ausschließlich positives Feedback bekommen“, so Becker. Im September sollte dann der Aufsichtsrat der Stadtwerke über einen möglichen Verkauf an den Verein beraten, wie Becker sagt – der „allen Unterstützungsbekundungen und unserem Optimismus zum Trotz“ abgelehnt wurde. „Eine genaue Begründung seitens des Aufsichtsrates blieb allerdings aus“, so Becker. Deswegen sind sie für heute erneut mit dem Bürgermeister verabredet, um über das Thema zu sprechen. „Für uns steht fest: Der Freiraum will bleiben“, so Becker.

Quelle: Norddeutsche Rundschau, 06. November 2017
Autor: Christopher Chirvi