Der Freiraum Itzehoe e.V. ist ein seit 2007 bestehender gemeinnütziger Verein, der sich in der Jugend- und Kulturarbeit engagiert. Auf Grund der Schließung des Lichtschauspielhauses und dem Abriss des Haus der Jugend fanden sich vor mittlerweile zwölf Jahren Jugendliche und junge Erwachsene zusammen, um sich in Itzehoe für eine selbstverwaltete und unab-hängige Jugendkultur einzusetzen.
Anfangs war es zunächst wichtig, eine eigene Räumlichkeit nutzen zu können, als ganz logi-sche Konsequenz auf die Schließung bzw. den Abriss der bisher genutzten Gebäude. Diese Räumlichkeit fand sich kurz nach der Gründung in der Breiten Straße 36. Eine langfristige Nutzung scheiterte jedoch an der Einsturzgefahr des Gebäudes. Das „Rote Haus“ ist seit dem eine Erinnerung der Vergangenheit und eine Inspiration für die Gegenwart.

Das Scheitern der ersten Idee setzte dem Verein zu, war doch viel Kraft und Energie in das Projekt gesteckt worden. Die Suche nach einer eigenen Räumlichkeit trat in den Hintergrund; u.a., weil es im Stadtgebiet keine mit dem „Roten Haus“ vergleichbaren Objekte gab. Vielmehr nutzte man die gute Kooperation mit dem provisorischen Jugendtreff am Holzkamp, um dort vermehrt Veranstaltungen zu organisieren. Konzerte, Filmreihen, VoKü – die Referenzen der letzten Dekade zeichnen ein buntes und vielfältiges Bild der Vereinsarbeit. Eine genaue Auflistung gibt es hier.

Ein besonderer Meilenstein ist und bleibt auch heute noch die Demonstration „Für mehr Jugendkultur“ im Februar 2010 (Video, Zeitungsartikel) . Mehrere hundert Menschen gingen damals in Itzehoe auf die Straße, um ihre Forderung nach einer unabhängigen Jugendkultur in der Stadt laut und bunt zum Ausdruck zu bringen. Erhoffte Reaktionen blieben aus, die Politik sah trotz allem keine Notwendigkeit zum Handeln und in den folgenden Jahren wurde es tatsächlich ruhiger um den Verein, um die Kultur & um die Jugend der Stadt. Sollte das schon das Ende sein?

Nachdem die Suche nach einer Räumlichkeit im Rahmen eines städtischen Ausschusses im Jahr 2014 erneut erfolglos blieb, half nur noch pures Glück: im Mai 2015 stand dieses unver-hoffte Glück vor der Tür – oder ein Haus am See: Zufällig erfuhren wir von dem historischen Freibad an der Kleinen Tonkuhle. Das Gebäude im Innenstadtbereich mit Seelage, großem Außengelände und einer Vielzahl an nutzbaren Räumen, wurde von dem Ortsverband der AWO während der Sommerferien für eine mehrwöchige Kinderferienbetreuung genutzt; den Rest des Jahres stand es leer.

Der Freiraum übernahm die Pflege und Instandhaltung von Gebäude und Gelände und konn-te im Gegenzug die Räumlichkeiten nutzen. Ein Lichtblick und endlich wieder ein selbstver-waltetes Projekt: Einen Raum für Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung, Gemeinschaft. Einen Raum für Freiheit & selbstverwaltete Jugendkultur.
Der Erfolg für die Jugendkultur durch das Haus an der Tonkuhle lässt sich nur schwer von der Hand weisen: die Mitgliederzahlen wuchsen, es wurden wieder regelmäßig und vor allem wesentlich häufiger Veranstaltungen jeglicher Art organisiert; das Antirassistische Fußball-turnier im Sommer etablierte sich zu einem der Highlights mit jährlich fast 200 BesucherIn-nen und SpielerInnen; Geflüchteten konnte ein Raum geboten werden, um zur Ruhe zu kommen, andere Menschen kennenzulernen und den Raum für eigene Zwecke zu nutzen; Kooperationen mit dem Jugendtreff am Holzkamp bestehen fort und andere wurden neu geschaffen. Gerade die letzten drei Jahre zeigten, wie stark der Bedarf nach einer alternati-ven Jugendkultur in Itzehoe ist.

Für 2018 plante die Arbeiterwohlfahrt ihre Auflösung. Der Freiraum strebte einen Kauf bzw. eine Fortführung der Nutzung an. Doch der Eigentümer des Grundstückes, die Itzehoer Stadtwerke, lehnte ein Kaufangebot unsererseits, trotz eigenem Verkaufsinteresses, ab. Stattdessen sollte das Grundstück an die Stadt Itzehoe, den ursprünglichen Eigentümer zu-rückgehen. Die Stadt hielt letztlich die Schock-Nachricht bereit: für das in etwa 1912 als öf-fentliches Schwimmbad auf städtischem Grund errichtete Gebäude gäbe es keine Bauge-nehmigung. Es folgte eine Nutzungsuntersagung, ein Prüfverfahren zu Legalisierung und ganz viel Kopfschütteln bei Itzehoer:innen. Die große Solidarität, die wir erfuhren, half nichts: Die Verwaltung entschied, dass eine nachträgliche Genehmigung nicht möglich sei und wir ausziehen müssten. Ein Alternativobjekt gab es seitens der Stadt nicht.

Der bisherige Kampf um den Erhalt des Gebäudes hatte viel Kraft gekostet und wir entschie-den uns das Thema ad acta zu legen. Das zweite Scheitern binnen zehn Jahren.

Insbesondere die Solidarität vieler Menschen und die erfolgreiche Arbeit der vergangenen drei Jahre gaben uns allerdings Kraft und der Auszug sollte nicht das Ende des Vereins be-deuten: Im Juli 2018 war es geschafft. Im Leuenkamp 6 wurde ein neues Projekt samt Au-ßengelände gefunden, das renoviert wurde und nun optimal auf unsere Bedürfnisse zuge-schnitten ist.

Es kostete Zeit, Nerven und viel Arbeit, doch knapp ein Jahr nach der Einweihung können wir sagen, dass wir mit dem neuen Projekt einen Schritt nach vorne gemacht haben. Nun gilt es das Projekt und den Verein weiterhin mit Leben zu füllen sowie die Stadt und das Kulturan-gebot wieder vielfältiger, lebendiger – lebenswerter zu gestalten. Langfristig, denn ein drit-tes Mal umziehen, will von uns keiner.