Archiv für März 2018

Offener Brief an das Regionale Bildungszentrum

Am Donnerstag hat das Regionale Bildungszentrum uns kurzfristig die Räumlichkeiten für die am Dienstag geplante Veranstaltung ersatzlos gestrichen. Offenbar, da aus dem Plakat und den Flyern kein eindeutiger Veranstalter hervorging.
Bis Freitagabend wurde versucht Ersatz zu finden, jedoch erfolglos. Die Veranstaltung fällt aus und wird nicht nachgeholt.
Dazu ein offener Brief an die Schulleitung und den Förderverein des RBZ:

Sehr geehrtes Direktorium des RBZ,
Sehr geehrter Förderverein des RBZ,

mit Enttäuschung und Unverständnis haben wir auf die kurzfristige Streichung der Räumlichkeit für die Veranstaltung „Kommunal: Scheißegal?“ reagiert. Der Freiraum Itzehoe e.V. war einer der Organisatoren und möchte sich an dieser Stelle zu der Entscheidung äußern.

Zu Beginn können wir Ihnen Recht geben: Gesetzlich vorgeschrieben ist auf einem Plakat tatsächlich ein Veranstalter.

Wir fragen Sie dennoch: Kann so eine Nichtigkeit ausschlaggebend für eine ersatzlose Absage sein?

Junge Menschen haben sich endlich die Mühe gemacht und eine umfangreiche Veranstaltung organisiert, um Jugendliche und junge Erwachsene in Itzehoe für Politik und Engagement zu begeistern. Öffentlich wurde schon lange über diese relevanten Themen diskutiert – und nun hatten sich Initiativen und Lehrkräfte mit Blick auf die Kommunalwahl zusammengeschlossen, um die jungen Menschen für die Wahl ebenso wie für Eigeninitiative zu sensibilisieren.

Gleichzeitig wurden Schüler_Innen von Lehrkräften auf die Inhalte der Veranstaltung vorbereitet, der Unterricht daran ausgerichtet. Offenbar für die Katz‘.

Die Veranstaltung wurde frühzeitig mit den Verantwortlichen an der Schule abgestimmt. Wir leben in einer Kleinstadt, die Kommunikationswege sind kurz – und eigentlich so unkompliziert, dass eine so aktuelle und für die Gesellschaft zielführende Veranstaltung nicht an solch einer Kleinigkeit scheitern dürfte.

Sollte man die Kirche nicht im Dorf lassen? Die Veranstalter auf ihre Fehler aufmerksam machen? Den Dialog und eine zufriedenstellende Lösung für beide suchen? Stattdessen wird man vor vollendete Tatsachen gestellt: Absage.

Welche Botschaft möchten Sie senden? Ist dies der Weg, junge Menschen zu mehr Politikinteresse und Engagement zu bewegen?

Die Liste unserer Fragen steht für unser Unverständnis über so viel Ignoranz. Wir hoffen auf eine umfassende Erklärung Ihrerseits, die die Bedeutung Ihrer Absage rechtfertigt.

Mit freundlichen Grüßen

Freiraum Itzehoe e.V.

Mitteilung zum Ausgang des Prüfverfahrens

Am 15. Februar fand ein weiteres gemeinsames Gespräch zwischen dem Freiraum Itzehoe und der Stadt Itzehoe zur Situation an der Kleinen Tonkuhle statt. Im Folgenden möchten wir Euch über die Ergebnisse des Gespräches sowie das weitere Vorgehen informieren.

// Scoping-Verfahren

Im Rahmen dieses Gespräches wurden dem Freiraum die Ergebnisse des Scoping-Verfahrens [vereinfacht: baurechtliche Prüfung zur nachträglichen Legalisierung] mitgeteilt.

Das Prüfverfahren umschließt u.a. Stellungnahmen der Stadtwerke, Natur- und Forstbehörden, des Kommunalservice sowie der Bauaufsicht und Stadtplanung.

In der Summe weist das Prüfverfahren eine Vielzahl von Hürden und Einschränkungen auf, die eine erfolgreiche nachträgliche Legalisierung bzw. einen Erhalt des Gebäudes äußerst unwahrscheinlich machen. In erster Linie der finanzielle Aufwand sowie baurechtliche Unwägbarkeiten in den Bereichen Erschließung, Baumabstand, Aufstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplan, lassen uns zu der Einschätzung kommen, dass wir dieses Projekt nicht realisieren können. [Interessierten Personen lassen wir gern Einzelheiten der Ergebnisse des Prüfverfahrens zukommen.]
Ebenso sei an dieser Stelle angemerkt, dass die bisherige Prüfung sich ausschließlich mit der Legalisierung des Gebäudes befasste; etwaige baurechtliche Auflagen zur angestrebten Nutzung wurden noch nicht berücksichtig und kämen „on top“.

Der Freiraum Itzehoe ließ die Verfahrensergebnisse im Nachgang von einem Architekten prüfen, der zu einem ähnlichen Ergebnis wie die Stadt Itzehoe kam.

Mit viel Wehmut müssen wir erkennen, dass das historische Freibad nicht mehr lange der Freiraum sein wird, sondern es anders weitergehen muss.

Doch auch das jetzige „Ergebnis“ schwarz auf weiß beantwortet eine Grundsatzfrage nicht: Wie kann es sein, dass ein Gebäude seit 1920 auf öffentlichem Grund steht, öffentlich genutzt wird und man nun, fast 100 Jahre später darauf aufmerksam macht, dass es illegal sei?

Diese Kritik ist ausdrücklich entpersonalisiert zu verstehen: Es gibt nicht den oder die Verantwortliche. Doch wir empfinden diese Fragestellung als berechtigt und üben Kritik an der Rechtsprechung, die so eng gesetzt ist und nicht einmal Ausnahmen kennt, wenn wie an der Kleinen Tonkuhle seit Jahrzehnten Eines bewiesen ist: Dass ein Gebäude trotz fehlender bzw. nicht auffindbarer baurechtlicher Genehmigung niemanden schadet, weder Natur noch Mensch, im Gegenteil – dieses Gebäude schenkte der Stadt seit jeher einen Mehrwert.

// Städtisches Angebot

Im weiteren Gesprächsverlauf bekräftigte die Stadt Itzehoe uns gegenüber ihre Unterstützung und insbesondere das Kinder- und Jugendbüro stellte ein konkretes Angebot vor: Als Alternative zum jetzigen Gebäude an der Tonkuhle solle es eine Erweiterung der Kooperation im (neuen) Haus der Jugend geben.

Seitens des Vereins bestand eine grundsätzliche Skepsis gegenüber diesem Angebot, da unsere Arbeit losgelöst von städtischen Strukturen in Selbstverwaltung funktionieren sollte.
Wir baten die Stadt um eine Konkretisierung des Angebots und übermittelten einen Fragenkatalog, der die Rahmenbedingungen einer Nutzung prüfen sollte.
Nach einem persönlichen Treffen mit Herrn Roeder und der Diskussion der Antworten auf einer Mitgliederversammlung kommt der Freiraum Itzehoe zu der Entscheidung, dass es sich um keinen für uns akzeptablen Lösungsvorschlag handelt.

Zur Begründung: Von einer erweiterten Kooperation kann nicht die Rede sein, sondern vielmehr ist es eine Fortführung der bisherigen Kooperation. Die Nutzung erfolgt dauerhaft temporär, d.h. jeweils über einen Nutzungsvertrag pro Veranstaltung geregelt. Des Weiteren besteht für den Verein im neuen Haus der Jugend keinerlei Selbstverwaltung bzw. autonome Entscheidungsmöglichkeit. Es gibt keinerlei eigenständigen Gestaltungsspielraum, sondern sämtliche Entscheidungen müssen in Abstimmung mit den Betreiber_Innen geschehen. Wir erhalten zudem weder einen separaten, dauerhaft nutzbaren Raum, noch stehen Lagermöglichkeiten zur Verfügung.

Der Freiraum kommt zu dem Schluss, dass es sich bei dem Angebot um eine unangebrachte Lösung handelt. Vielmehr ist es eine Fortführung der bisherigen Kooperation. Diese Art der Kooperation soll es auch weiterhin geben, sie ersetzt aber kein eigenes Objekt und schafft auch in keinster Art und Weise ein Minimum an Ersatz.

Die Fortführung der derzeit sehr guten Kooperation stand nie zur Diskussion. Die als Angebot bezeichnete „erweiterte Kooperation“ schafft keinen Mehrwert und ersetzt den wegfallenden Raum in keinster Weise. Eine Annahme des Angebotes durch uns käme folglich der Aufgabe zahlreicher Vereinsaktivitäten und Privilegien gleich. Nichtsdestotrotz sehen wir auch zukünftig das Haus der Jugend als möglichen öffentlichen Raum für Veranstaltungen für junge Menschen an.

Unsere Vereinsarbeit kennzeichnete in den letzten Jahren insbesondere die Selbstständigkeit, die Freiheit eigene Entscheidung zu treffen, zu gestalten und einen Raum zu bieten, der allen Menschen zugänglich ist. Die Forderung, mit der wir zu einer Diskussion über Alternativen bereit sind, bleiben gleich: Es muss einen selbstverwalteten Raum geben, der Gestaltungsmöglichkeiten und eine dauerhafte Nutzung ermöglicht.

// Und die Zukunft?

Wir wollen weitermachen: So viel steht fest. Zu viel Arbeit wurde ins das Projekt Freiraum in der Vergangenheit investiert, zu viele Erfahrungen gesammelt, als dass man nun den Gedanken fassen könne, plötzlich aufzuhören. Wir haben gemerkt: Das kulturelle Angebot, dass wir Jugendlichen und jungen Erwachsenen bieten, erfährt immer mehr Zuspruch. Immer mehr Nachfrage nach unseren Veranstaltungen und unserer Arbeit ist der Beweis, dass unsere Arbeit ihren Zweck erfüllt. Wir schaffen einen Mehrwert für die gesamte Stadt. Und das alles selbstorganisiert und unabhängig – es wird also weitergehen.

In den nächsten Monaten gilt es daher verschiedene Szenarien durchzuspielen, Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen, sich zu vernetzen und einen zukünftigen Freiraum zu sichern. Kräfte bündeln, weitermachen!

// Kriterien

Am vergangenen Wochenende wurden Kriterien für ein Alternativobjekt festgelegt: min. Grundfläche 100m², aufgeteilt in min. drei Räume, davon ein Veranstaltungsraum mit min. 50m² Grundfläche. Ein nutzbares Außengelände sowie keine unmittelbare Lärmbelästigung (Nachbarschaft) sind weitere Faktoren. Denkbar ist für den Verein auch eine kombinierte Lösung aus Wohn- und Veranstaltungsfläche in einem Gebäude.

In der kommenden Woche steht eine erste Besichtigung im Stadtgebiet an, allerdings ist uns bewusst: Eine Vielzahl an potentiellen Immobilien gibt es derzeit nicht und deswegen rufen wir alle Unterstützer_Innen dazu auf, uns bei der Suche zu helfen. Für jeden Vorschlag sind wir dankbar!

Freiraum Itzehoe e.V. am 13. März 2018
Schaffen, gestalten, erhalten

Radiobeitrag Störfrequenz

Vor knapp zwei Wochen stand der Freiraum Itzehoe im Rahmen der RegionalResonanzen dem Kulturbahnhof Itzehoe Rede und Antwort. Wir machen den Beitrag der in der Sendung Störfrequenzen ausgestrahlt wurde auf unserem Video-Kanal all denjenigen zugänglich, die ihn verpasst haben: