Archiv für Februar 2018

Ausblick 2018: Believing in a bright future!

„Wir dürfen nicht in einen Stillstand geraten.“

Mit diesen Worten zitierte die Norddeutsche Rundschau Bürgermeister Koeppen im vergangenen Sommerinterview. Das Jahr 2017 ist vorüber und das neue Jahr schon ein paar Wochen alt – Zeit für einen Rückblick, eine Bestandsaufnahme und einen Ausblick!

Mit „Looking into a bright future“ beschrieb der Freiraum Itzehoe im März 2015 seine Bekanntmachung zum gerade unterzeichneten Pachtvertrag mit der Arbeiterwohlfahrt für das Haus an der Kleinen Tonkuhle. Die Zukunft sollte leuchtend werden – voller Vorfreude packten wir das neue Projekt an. Mit dem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden, doch trotz allem stehen wir jetzt erneut vor einer unsicheren Zukunft.
Unsicher? Seit 1947 steht unser Gebäude auf städtischem Grund. Jahr für Jahr besuchten Politiker die Kinderfreizeit auf dem Gelände und die Stadt bezuschusste nicht nur diese, sondern auch dafür notwendige Renovierungsmaßnahmen. Dennoch ist unklar, wie es weitergeht. Es ist kein Angriff, aber ein kritisches Hinterfragen: Der Freiraum Itzehoe leistet unkommerzielle und unabhängige Jugend- und Kulturarbeit. Es geht darum, den jungen Menschen einen Ort zu geben, an dem sie sich entfalten können.

10 Jahre? So lange ist es wirklich schon her, dass man das „Haus der Jugend“ geschlossen hatte. In diesen zehn Jahren ist der Freiraum „erwachsen“ geworden und sieht das neue Haus der Jugend nicht mehr als zukünftigen Vereinsmittelpunkt an. Wir wollen an der Tonkuhle bleiben.

Und für das Haus der Jugend gibt es 2018 Hoffnung – es soll eröffnet werden. Ironisch karikiert die Lokalzeitung einen auf den März geschobenen Eröffnungstermin mit: „Auf die paar Monate kommt es jetzt auch nicht mehr an…“. Man darf den Humor in dieser Stadt eben nicht verlieren.

In diesem Jahr ist es also an der Zeit, Probleme anzusprechen. Probleme die Fakt sind – aber auch unbewusste Kommunikationsprobleme, die oftmals viele weitere Probleme erzeugen und vergrößern.
2017 war ein Jahr voller Gespräche in der Stadt: Man sprach mit und über Planet Alsen, der Eichtal-Initiative, dem Freiraum, dem Itzehoer SV, dem Cheyenne Club. Dies sind Inhalte, die die Bewohner der Stadt Itzehoe bewegen – und die einer unbedingten Lösungen bedürft hätten.
Und die Ergebnisse? Planet Alsen sieht sich mit einer Räumungsklage konfrontiert. Die Eichtal-Initiative strebt ein Bürgerbegehren an. Der Freiraum ist von der Gefahr des Abrisses seines Gebäudes bedroht. Der Itzehoer SV ist insolvent und muss womöglich aufgelöst werden. Der Cheyenne Club schließt Ende März.

Können diese Ergebnisse und diese Zustände wirklich das Ziel einer bürgernahen und zukunftsorientierten Stadtpolitik sein?

Jedes bürgerliche Engagement steht für sich und hat seine Befürworter und Gegner. Am Beispiel Eichtal etwa zeigt sich: Einerseits steht der Wunsch nach einer ökologisch ausgerichteten Stadtpolitik, andererseits ist die Nachfrage an Bauplätzen und Wohnraum vorhanden, wie die Warteliste auf Bauplätze belegt. Einen konstruktiven Dialog zwischen Vertretern beider Interessensgruppen gab es bisher aber nur sehr begrenzt. Ein weiteres Beispiel: Trotz der Zusage eines zweiten Gesprächstermins zwischen dem Freiraum und der Stadt Itzehoe für die 3. Kalenderwoche, hat sich die Stadt weder zum Stand des Prüfverfahrens geäußert, um eine Verlegung des Termins gebeten oder sich anderweitig gemeldet. Wir sehen dieses Vorgehen als wenig vertrauensfördernd, intransparent und nicht somit nicht fördernd an.

Gerade als engagierter Verein möchten wir die Zukunft nicht zu düster darstellen; sollten sich die Vielzahl der Konflikte nicht lösen lassen, steht Itzehoe jedoch vor seinen eigenen Trümmern. Bürgernähe spüren wir selten, junge Menschen werden womöglich keinen Zweck mehr im gesellschaftlichen Engagement sehen – und das hat Folgen.

Zeigt diese Problematik, diese Geringschätzung der Kommunikation mit Bürger_Innen, dieses Verwerfen einer eindeutigen Bereitschaft zur Teilhabe nicht auch eine Art von Ignoranz?

Denken wir zurück: Im Sommer 2017 wählten fast sechs Millionen Menschen eine rechtsextreme Partei in den deutschen Bundestag. Macht der Eliten, Protestwähler, Politikverdrossenheit,… – diese Schlagwortliste lässt sich fortsetzen. Der Aufschrei war groß.
Genau diese Partei wird nun auch zur Kommunalwahl im Mai antreten. Was aber hat unsere Gesellschaft aus dem vergangenen Sommer gelernt? Es ist besonders im Kleinen, d.h. auf kommunaler Ebene Aufgabe der Politik und Zivilgesellschaft, darauf zu reagieren – und zu reagieren heißt: Den Dialog vor Ort zu suchen. Sich engagierende Vereine, Initiativen und Bündnisse zu stärken.

Wir wollen mit diesem Beispiel zeigen, welche katastrophalen Folgen es gesellschaftlich haben kann, wenn der Dialog zwischen der Politik und den BürgerInnen und die Unterstützung von Vereinen und Initiativen auf ein Minimum reduziert wird.

Wir fordern niemals Verständnis für rechtsextreme oder rechtsoffene Positionen und WählerInnen. Sie sind mündige Bürger_Innen, mit denen es keinen Dialog geben darf. Im Gegenteil – Wir fordern eine Stärkung des Dialoges mit den Menschen vor Ort, die sich alternativ, unabhängig, antirassistisch engagieren und sich einbringen. Es gilt solche Ideologien und ihr Futter im Keim zu ersticken und ein Erstarken zu unterbinden!
Sprecht mit den Menschen, insbesondere mit den sich engagierenden. Lasst die Menschen teilhaben und lasst sie ihre Welt mitgestalten. Dies ist auch ein politischer Prozess; ein Prozess, den Itzehoe beschreiten muss, um die Stadt – und unsere Gesellschaft – langfristig lebenswerter zu machen.

Es braucht eine Auseinandersetzung. Es wird Konflikte und unterschiedliche Meinungen geben, doch wer erklärt, wird auch Verständnis erfahren. Der Zeitpunkt, genau diesen Schritt zu gehen, ist jetzt gekommen!
Die Stadt braucht kein Leuchtturmprojekt, wie es die Störschleife wäre. Die Stadt braucht die Rückkehr zum Dialog mit ihren Bewohnern und Bewohnerinnen.

Uns als Verein für Jugend- und Kulturarbeit steht es zwar nicht zu, über sämtliche Vorgänge zu urteilen. Aber wir sprechen Themen an, die uns und unser Umfeld aktiver Menschen betreffen.

Es gibt auch Stimmen, die eine andere Sicht fordern – einen Fokus auf andere teils positive Entwicklungen, zum Beispiel im Bereich des Arbeitsplatzangebotes oder der Versorgung mit Kita-Plätzen.
Doch auch dies zeigt das zuvor aufgegriffene Problem des Dialoges: Stadtpolitik ist nicht nur Kulturpolitik, sondern umfasst natürlich eine Vielzahl von Bereichen, welche teilweise höhere Wichtigkeit verlangen. Aber unsere Forderung ist auch hier ganz klar: Lasst die Menschen die Politik verstehen. Erklärt es! Nur so kann eine katastrophale Wahlbeteiligung von rund 37 Prozent (in einigen Stadtteilen von 25 Prozent) in diesem Jahr verhindert werden.

Der NDR sprach in einem kürzlich ausgestrahlten Bericht in einem anderen Kontext davon, dass seit der Wahl Koeppens zum Bürgermeister die Stadt immer lebendiger werde. Inhaltlich beschäftigte sich der Beitrag mit Kitas, doch greifen wir diese Anspielung und die Aussage des Sommerinterviews auf: Zu einer lebendigen Stadt gehört die Möglichkeit, auch abends noch ausgehen zu können. Bereits Mitte des Jahres sagte die Rundschau eine „Geisterstunde in der City“ voraus. Die Schließung des Cheyenne Clubs nimmt nun allen 16- bis 30-jährigen die einzig verbliebene richtige Diskothek im Umkreis von 30km.

Zu einer lebendigen Stadt gehört ein lebendiger Austausch von Meinungen, Interessen und Erfahrungen. Dazu gehören sozial engagierte Sportvereine, eine unabhängige Kulturarbeit, ein ökologisches und nachhaltiges Bewusstsein – und der gegenseitige Respekt!
Lasst uns die Stadt gemeinsam nicht nur lebendiger, sondern lebenswerter machen!

Freiraum Itzehoe – still believing in a bright future: schaffen, gestalten, erhalten!